Aufbruch in die Kleine Karoo – Ausgewandert nach Südafrika (13. Folge)

Aufbruch in die Kleine Karoo – Ausgewandert nach Südafrika (Folge 13)

Nach den vielen Wochen in und um Port Elizabeth freute ich mich darauf neue Gegenden zu erkunden. Als erstes Ziel hatte ich den Campingplatz „Urquhard“ in Graaf-Reinet ausgesucht. Dieser lag schattig unter riesigen Bäumen direkt am Ausgang der Stadt in Richtung des angrenzenden Camdeboo Nationalparks und Nqweba Damm. Eine riesige Felsformation grenzte an die Anlage und direkt über die Strasse hinweg konnte Vlou sich frei in einem Park bewegen.

Aufbruch in die kleine Karoo

Leider war der Campingplatz in den letzten Jahren etwas vernachlässigt worden. Weder der Swimmingpool noch das Hauptgebäude mit einer Bar und Spielraum wurden unterhalten. Ausserdem campten Billigarbeiter aus Zimbabwe in einfachen Zelten neben dem Toilettengebäude. Nur selten kamen Touristen vorbei, weshalb ich mich auf diesem Campingplatz nicht sicher fühlte. Laute Musik spielte bis spät in die Nacht und grosse Mengen an Alkohol wurden konsumiert. Nichtsdestotrotz waren die Simbabwer bei meiner Ankunft beim Abkoppeln des Wohnwagens hilfsbereit gewesen. Die Kupplung hatte geklemmt. Die Hilfe war gut gemeint gewesen, jedoch drehten sie das Stand-rad trotz meiner Warnung zu weit herunter, so dass es aus seiner Halterung fiel und der Wohnwagen nach vorne kippte. Nur mit vereinten Kräften konnten wir den Schaden beheben und das Stand-rad wieder in die richtige Position zurückführen. Meine Helfer hatten vermutlich noch weniger Erfahrung mit Wohnwagen als ich, deshalb beschloss ich, zukünftig vorerst zuerst selbst zu probieren oder nur die Hilfe von Leuten anzunehmen, welche selbst mit Wohnwagen unterwegs waren, um grössere Pannen zu vermeiden.

Aufbruch in die kleine Karoo

Am nächsten Morgen entdeckte ich, dass beim Dach des Wohnwagens etwas nicht in Ordnung war. Das Dach musste jeweils zum Fahren herunter gelassen und auf dem Camping wieder hinaufgestossen werden, wobei Druckluft-Stützen diesen Vorgang unterstützen. Den Zwischenraum füllte Zelttuch mit beidseitigen Lüftungsfenstern aus. Die Verbindung einer der Druckluft-Stützen und dem Wohnwagendach war abgerissen. Ich würde das Dach nicht wieder hinunterlassen können, was die Weiterfahrt verunmöglichte. Angestrengt überlegte ich, wie ich diese Stütze reparieren oder zumindest für eine Weiterfahrt abschrauben könnte. Ohne geeignetes Werkzeug war dies nicht zu bewerkstelligen, deshalb wandte ich mich telefonisch für einen Rat an den Wohnwagenverkäufer in Port Elizabeth.

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Glücklicherweise kannte er einen begabten Fachmann in Graaf-Reinet, welcher seiner Meinung nach dieses Problem beheben könnte. Und so war es denn auch! Gemeinsam mit Herrn Botha, einem sehr anständigen Herrn in Anzug machte ich den Wohnwagen provisorisch fahrbereit und folgte ihm in seine Garage. Dort entfernten seine Mitarbeiter das Zelttuch und sicherten im Innern des Wohnwagens alles, was bei der Arbeit schmutzig werden könnte. Sie fixierten die Druckluft-Stütze durch das Dach hindurch mit einer langen Schraube und bestrichen den Übergang mit Plexiglas. Herr Botha hatte alles vor Ort, weil er auch an Schiffen und Oldtimern arbeitete. Ein richtiger Allrounder! Stolz zeigte er mir einen Oldtimer eines Kunden, an welchem er gerade arbeitete. Er war ein vielseitiger, erfolgreicher Unternehmer mit Familienbetrieb und ein paar Mitarbeitenden mitten im beschaulichen Graaf-Reinet. Welch ein Glück für mich und meinen Wohnwagen!

Aufbruch in die kleine Karoo Aufbruch in die kleine Karoo

Ich frühstückte während der Reparaturen für drei Schweizer Franken in einem Fastfood Restaurant und holte den in Stand gestellten und gereinigten Wohnwagen für 180 Rand (ca. 18 Schweizer Franken) ab. Herr Botha und seine Mitarbeiter hatten fünf Stunden daran gearbeitet! Erleichtert stellte ich fest, dass ich mir vergeblich Sorgen gemacht hatte, dass die Rechnung ausarten würde.

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Ich verbrachte anschliessend weitere fünf Tage in Graaf-Reinet, währenddessen ich zweimal den Camdeboos – Nationalpark und „The Valley of Desolation“ besuchte. Mit einigen Überredungskünsten konnte ich jeweils Vlou mit in den Nationalpark nehmen, solange ich ihn nicht aus dem Auto liess. Die Fotomotive waren atemberaubend: Einerseits die architektonisch ansprechenden, im kapholländischen Kolonialstil gebauten Villen in Graaf-Reinet umrahmt von lila blühenden Jacaranda Bäumen und andererseits die Wildtiere im Nationalpark.

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Zum Schluss besuchte ich Nieu Bethesda: ein beschauliches Dorf mit weissgekalkten Häusern und zwei Restaurants, einem Campingplatz und wenigen Unterkünften sowie einer Polizeistation. Diese war mit hohem Stacheldraht umgeben, welcher komisch anmutete in dieser friedlichen Umgebung. Eine Artistin hatte ihrem Heim während ihres Lebens einen unvergänglichen Stempel aufgedrückt. Hunderte Eulen und andere Fabelfiguren in verschiedenen Formen und Farben schmückten den Garten und das Haus. Farbige Fenster tauchten die Räume in verschiedene Stimmungen. Die Kunst sorgt für Besucher aus aller Welt und damit für ein kleines nachhaltiges Einkommen der wenigen Bewohner. Ich lasse eine Eule mit grossen, türkisfarbenen Augen als Geschenk für meine Mutter einpacken. Ein Gewitter mit heftigem Regen überrascht mich auf der Rückfahrt nach Graaf-Reinet, wobei die trockene Steppenlandschaft das willkommene Wasser kaum absorbieren kann. Innert kurzer Zeit bilden sich Wasserströme auf der Strasse und Schlaglöcher füllen sich mit Schlamm. Bereits morgen werden sich nach dem Regen dankbar junge Triebe erwachen und die Landschaft in ein zartes Grün tauchen.

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Author: Marcelle Simone Heller

I'm searching for natural beauty and wilderness, while I'm travelling relentlessly to find delightful places and encounters with wildlife. I try to capture the thrill of the moments in photography and words, hoping to inspire others with the love for animals and nature.

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