Russwolke und zu viele Kurven (17. Folge)

Marcelle wanderte im Jahr 2012 nach Südafrika aus. Hier findest du ihre Erlebnisse wie sie die ersten Monate als alleine reisende Frau erlebte und wie sich dann alles ganz anders entwickelte.

Oh-oh, bitte nicht! dachte ich aufgebracht. Ich presste das Gaspedal bis auf den Fahrzeugboden, aber da war keine Beschleunigung zu verspüren. Wie ein Greis röchelte der Land Rover mit meinem Wohnwagen im Schlepptau den Berg hinauf. Ich entdeckte eine dicke Russwolke in meinem Rückspiegel, welche alle folgenden Fahrzeuge in tiefe Nacht gehüllt hätte, falls denn da andere Fahrzeuge auf der Landstrasse gewesen wären.

Von Willowmore nach George
Von Willowmore nach George (Südafrika)

Die Strasse schlängelte sich kurvenreich Meter um Meter in die Höhe. Der Schweiss tropfte mir von der Stirn in die Augen. Ich wusste nicht, ob es von der Anspannung oder von der Hitze war. Ich hatte die Klimaanlage sicherheitshalber ausgeschaltet, um den Motor nicht noch mehr zu belasten. Hoffentlich schaffen wir es auf den Bergpass! Nervös rieb ich die schweissigen Handflächen am an meiner Haut klebenden T-Shirt. Auf der anderen Seite des Outeniqua-Massivs befand sich George, eine mittelgrosse Stadt am Tor der berühmten Gardenroute Südafrikas. Mit Sicherheit würde ich dort eine Garage finden, die das Problem beheben könnte.

Outeniqua Mountain Pass

Verschreckt zuckte ich zusammen als nach langer Einsamkeit ein weisses Allradfahrzeug mit Ladebrücke heranfuhr und beim Überholen stürmisch hupte. Jeder Farmer in Südafrika scheint aus mir schleierhaften Gründen ausschliesslich weisse Autos zu fahren. Der Fahrer lehnte sich aus dem Fenster, um mich mit wild winkendem Arm auf die übelriechende, schwarze Wolke hinzuweisen, die mein Auto produzierte. Ja-ja, ich weiss! zischte ich durch meine zusammengebissenen Zähne, während ich ihm freundlich zunickte und meinen Daumen hoch hielt. Die Nadel an meinem Tourenzähler schwankte knapp unter zweitausend Touren. Mehr war nicht drin. Soll ich am Strassenrand anhalten? zweifelte ich. Doch kurz vor der Entscheidung an den Strassenrand zu fahren, erwachte jedes Mal aufs Neue die Hoffnung in mir, die nächste Kurve möge die ersehnte Passhöhe bringen. Wieder nichts! Die Strasse bog und wendete sich unbarmherzig um raue Felswände. Meine Zuversicht begann sich wie die Russwolke in Luft aufzulösen.

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Die direkte Mittagssonne tauchte die Berglandschaft in ein blasses Licht. Die drei Stunden schienen mir wie eine Ewigkeit, während der ich bis auf äusserste gespannt mit meinem lädierten Auto unterwegs war. Normalerweise wäre die Strecke von Willowmore nach George in weniger als zwei Stunden zu bewältigen gewesen.

Outteniqua PassWie schade, dass die Anspannung meine Wahrnehmung für die Schönheit der Umgebung verblendete als ich um die letzte Kurve steuerte. Ein ansonsten atemberaubender Blick über die Ebene mit der Stadt George und dem Ozean eröffnete sich. Wie ich gehofft hatte führte die Strasse stetig mit einem leichten Gefälle hinunter nach George. Die Russwolke verschwand sofort als ich den Land Rover langsam im Leergang hinunterrollen liess und damit auch das rote Motorwarnlicht, welches mich seit Steytlerville begleitet hatte. Als ich das Schild einer Autogarage entdeckte und auf deren Parkplatz rollte, konnte ich die Erschütterung effektiv spüren, als mir der Stein vom Herzen viel!

outeniqua mountains

ausgewandert-nach-suedafrika-17

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Author: Marcelle Simone Heller

I'm searching for natural beauty and wilderness, while I'm travelling relentlessly to find delightful places and encounters with wildlife. I try to capture the thrill of the moments in photography and words, hoping to inspire others with the love for animals and nature.

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