Paradiesische Tage am Lake Malawi

Ein junges, südafrikanisches Ehepaar, Richard und Lauren, führt die Makutsi Lodge am Lake Malawi seit drei Jahren. Nach harzigem Anfang setzt langsam der Erfolg ein. Wie Richard uns erzählt wurde das Leasing kürzlich angehoben, was den beiden Sorgen bereitet. Ihre kleine zwanzig Monate alte Tochter wuselt aktiv in einem erstaunlichen Tempo durch die Anlage, wobei ihre malawische Babysitterin Mühe hat, ihr zu folgen, bevor die Kleine ihrer Neugier in fremden Wohnwagen und Zelten nachgeht. Lauren erwartet ihr zweites Kind.

Richard teilt uns abends mit, dass er sofort nach Lilongwe zu Lauren fahren muss. Lauren war zur Kontrolluntersuchung in Lilongwe als bei ihr das Fruchtwasser abging. Sie ist zwar erst Mitte siebten Monats schwanger, aber sie hat ihr erstes Kind ebenfalls zu früh geboren. Eigentlich wollte Lauren in Blantyre in einem Privatspital gebären, da dort eine Frühgeburt bessere Betreuung erwarten könnte. Die Zeit reicht jedoch nicht aus und so bringt sie ihre Tochter sieben Wochen zu früh aber gesund im öffentlichen Spital in Lilongwe zur Welt. Wir sind sehr überrascht als sie bereits vier Tage nach der Geburt mit dem winzigen Wesen in den Armen zurückkehrt. Es wäre mir nicht wohl ganze vier Stunden vom nächsten Spital entfernt die Verantwortung für ein Frühchen zu übernehmen. Die beiden Kinder haben passende Namen. Die ältere Tochter heisst Nyasa wie der Lake Malawi früher hiess, weil sie an diesem See erzeugt wurde. Die jüngere Tochter heisst aus dem gleichen Grund Indiana, wie ein Ort in Mozambique am indischen Ozean.

In den Tagen in der Makutsi Lodge machen wir viele spannende Bekanntschaften mit Reisenden aus verschiedensten Ländern. Ein frühpensioniertes Paar hat ihre Zelte in der Schweiz abgebrochen und reist mit einem rustikalen 4×4 Camper durch die Welt. Eine grosse Aufschrift „Switzerland“ lässt keinen Zweifel an ihrer Herkunft. Sie waren bereits in Australien und reisen jetzt durch Afrika. Ein holländisches Paar aus Nairobi, Kenia, bereiste die gleichen Länder wie wir in den letzten Monaten und kehrt nun wieder nach Kenia zurück. Sie arbeitet dort für die UNO. Einige perfekt mit allem Camping – Schnickschnack und schweren Allradfahrzeugen ausgerüstete Südafrikaner verbringen ein paar Tage in Makutsi bevor sie nach Mozambique weiterreisen. Eine junge südafrikanische Familie aus Mzuzu, der nächstgelegenen Stadt in Malawi, nimmt an einem Radrennen in der Gegend teil. Er arbeitet für eine Hilfsorganisation, die die lokale Bevölkerung mit Bewässerungsprojekten und Ähnlichem unterstützt.

Auf dem Geländer der Makutsi Lodge befindet sich das ursprüngliche Gebäude der früheren Lodgebesitzer, welches etwas abseits liegt und nun von einer Gruppe Zeugen Jehovas bewohnt wird. Sie sind früh morgens bis spät abends unterwegs in für dieses Land unpassend übertrieben gepflegter Kleidung. Sie übersetzen die Bibel in eine oder mehrere der sechszehn lokalen Sprachen. Chichewa ist die meist gesprochene Sprache in Malawi. Beidseitig der Bucht, an welcher die Makutsi Lodge liegt, befinden sich kleine Dörfer. Die Fischer und Kleinbauern bieten ihre Waren zu kleinen Preisen an, wodurch wir auf dem Campingplatz mit frischen Produkten versorgt sind.

Auch hier wie vorher in der Wheelhouse Lodge darf Vlou mit aufs Boot für einen Ausflug. Wir rudern auf die nächst gelegene Insel hinaus, was ein recht abenteuerliches Unterfangen ist. Vlou will immer mit seinen Vorderpfoten auf den Rand stehen, um eine bessere Übersicht zu haben. Dadurch verlieren wir jedes Mal fast das Gleichgewicht. Aber der Ausflug lohnt sich und wir geniessen die felsige Insel. Mit Schnorchel und Flossen erkunden wir das fischreiche Wasser und schwimmen rund um die Insel. Das Rudern ist recht anstrengend. Vor allem am Nachmittag, da auf dem Rückweg ein leichter Wind aufkommt.

Nach zwei Wochen verlassen wir den paradiesischen Ort und fahren nach Lilongwe zur Übernachtung auf dem Geländer der Sanctuary Lodge. Wir hören nachts einen vermutlich sehr alten Löwen im benachbarten Wildpark brüllen und die „Wooohooop’s“ von Hyänen. Ansonsten ist der Ort nicht sehr ansprechend, aber gut gelegen für die Durchreise zurück nach Sambia. Als wir für unser nächstes Ziel aufbrechen, werden wir in und nach Lilongwe sieben Mal von der Polizei angehalten, um unsere Ausweise zu überprüfen. Dies scheint ein Beschäftigungsprogramm der lokalen Bevölkerung zu sein und stört uns nicht weiter, da die Beamten freundlich sind und wir Zeit haben. Nach der Grenze übernachten wir in Chipata, in der uns bereits bekannten Lodge Mama-Rula, um anschliessend die holprige Strasse zum South Luangwa Nationalpark in Angriff zu nehmen. Nach Hörensagen soll South Luangwa einer der schönsten Parks Afrikas mit der höchsten Leopardenpopulation sein.

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Author: Marcelle Simone Heller

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