Wilde Erlebnisse im Okavango Delta

Von den Hochebenen Angolas aus fließt der Cubango River durch Sommer Regen angefüllt in Richtung Namibia und dann bei Mohembo südlich in Richtung Botswana. Der Fluss spreizt sich anschließend in das größte Inland Delta der Welt und verzaubert die Ebene mit frischem, sauberem Wasser. Dadurch erwacht die Tier- und Pflanzenwelt zur scheinbar unbegrenzten Artenvielfalt. Botswana schützt dieses Naturspektakel recht erfolgreich, indem die Preise für Touristen derart hoch sind, dass sich nur sehr gut betuchte eine Unterkunft im Delta leisten können und so der umweltbelastende Massentourismus ausbleibt. Trotz beschränktem Budget wollte ich nach Botswana das Okavango Delta besuchen.

Das „NO DOGS“ – Schild am Eingang der Island Safari Lodge in Maun sollte mich nicht stören. Die Lodge hatte mir einen günstigen Standplatz für den Wohnwagen offeriert und eine Ausnahme für Vlou gemacht. Ideal, nur rund eine viertel Stunde von Maun gelegen, mit 30 Hektaren Land rundum die Lodge für lange Spaziergänge mit Vlou und einem Restaurant mit gratis Internet – was will frau mehr? Ich nahm Kontakt auf mit der Tierschutzorganisation MAWS in Maun, da ich mir erhoffte, über sie einen Zwinger oder Hundesitter zu finden, wo Vlou während meinem Mehrtagesausflug ins Delta aufgenommen würde. Es gibt keine Hundezwinger in Maun, aber ich erhielt eine Telefonnummer einer Privatperson, welche von Zeit zu Zeit auf fremde Hunde aufpasst. Keith, ein Engländer und Ingenieur aus Zimbabwe, lebt am Thamalakane River in einem kleinen Haus zusammen mit rund neun eigenen Hunden und da kommt ein zusätzlicher Hund wohl nicht so drauf an.

Im Internet fand ich das weitaus günstigste Angebot der Old Bridge Backpackers Lodge rund zwei Kilometer von meiner Lodge entfernt für einen Campingausflug mit Mokoro und Führer für 1090 Pula exklusive Campingausrüstung und Verpflegung. So bereitete ich mich mit einem Großeinkauf an Verpflegung in Maun auf dieses Abenteuer vor. Die Campingausrüstung hatte ich bereits mit Ausnahme einer Matratze. Doch eine Wolldecke sollte ebenfalls genügen und wenn der Schlaf dadurch nicht so tief sein würde, hätte ich umso mehr Gelegenheit, den Tiergeräuschen zuzuhören.

Morgens, am ersten Tag des Ausflugs, um 7.30 Uhr, war ich in der Old Bridge Backpackers Lodge. Ich hatte Vlou bereits am Vorabend zu Keith nach Hause gebracht, wo er von der großen Hundemeute begrüßt wurde. Nach einem gut afrikanischen, riesigen Becher Milchkaffee konnte ich meine Bagage in ein Motorboot laden, welches mich zur Mokoro-Station brachte. Ich war etwas unsicher, wie mein ganzes Gepäck in ein Einbaum Boot passen sollte. Unterwegs zeigte mir der Bootsführer verschiedenste Vögel, welche entlang des Thamakalane River’s zu finden waren. Viele Kühe und Esel grasten im knietiefen Wasser, wo der einzige Ort für frisches Grün weit und breit war. Eine kleine Eule saß am helllichten Tag nahe dem Ufer und schlief unbeirrt unserer Blicke und dem Motorengeräusch weiter.

Nach einer zwanzig Minütigen Fahrt erreichten wir die Mokoro-Station, wo Thombo, meiner lokaler Mokoro-Guide mich verlegen und in sehr begrenztem Englisch begrüßte. Er verstaute mein Gepäck geschickt und bald legten wir los für die rund zweieinhalb Stündige Fahrt zu unserem Nachtcamp. Thombo lenkte den Mokoro geschickt durch die untiefen Gewässer. Oft wich er für Abkürzungen oder aufgrund von Flusspferden vom Hauptstrom in die dichten, mit Schilf bewachsenen Nebenkanäle ab. Das Wasser war klar, sodass der Flussgrund gut sichtbar war. Viele Fische blubberten rund um das Boot und eine Vielfalt an Vögeln wie Fischadler, Fischreiher, Kiebitze und Storche schienen unser Boot kaum zu bemerken. Der Jacana Vogel mit seinen weitgespreizten Zehen, ideal zum über die Wasserlilien zu spazieren, ist hier ebenso weitverbreitet. Ich entdeckte große Zebraherden, welche durch die Gewässer galoppierten und Letschwe – Antilopen. Diese sind recht gut erkennbar, da sie hinten höher gebaut sind als vorne. Die Hufe sind verlängert und gespreizt, wodurch die Bewegung im sumpfigen Gelände ermöglicht wird.

Thombo suchte einen geeigneten Platz für unser Nachtlager und nach dem dritten Andocken, entschied er sich für eine größere Insel, damit wir am nächsten Tag eine größere, vierstündige Safari zu Fuß unternehmen könnten. Mein Zelt war schnell aufgestellt und der Schlafsack ausgerollt. Thombo entfachte ein beträchtliches Lagerfeuer, welches die Wildtiere auch in der Nacht von unserem Camp entfernt halten sollte. Ich beäugte das trockene Grass ringsherum misstrauisch, doch interessanterweise schien dieses überhaupt kein Feuer zu fangen. Mein Abendessen bestand aus Käse-Grillwurst und süßen Kartoffeln, welches ich mit Thombo teilte. Hier geht man mit der Sonne ins Bett und steht mit ihr wieder auf. Und so verabschiedete ich mich und zog mich in mein Zelt zurück.

Wie ich es geahnt hatte, schlief ich nicht sehr tief auf meiner Wolldecke und dem harten Boden. Ich hörte Hyänen in einiger Entfernung – ein für mich neben Löwengebrüll schönstes Geräusch in der Wildnis. Mitten in der Nacht hörte ich laute Kaugeräusche unweit meines Zeltes. Ich muss gestehen, dass ich darüber nachdachte, einfach die Decke über meinen Kopf zu ziehen und mir vorzustellen, dass ich nichts gehört hatte. Glücklicherweise verließ Thombo sein Zelt und legte Holz nach. Die Geräusche entfernten sich und Thombo schlüpfte in sein Zelt zurück. Früh morgens wurde ich von der Sonne geweckt und begab mich an die Glut des Feuers, welche immer noch sehr heiß war. Ich holte Wasser aus dem Fluss und kochte es für die heiß ersehnte Tasse Kaffee.

Die Fuß-Safari auf der Insel war eindrücklich und anstrengend zugleich. Zahlreiche Zebras verfolgten uns neugierig mit ihren Blicken und sprangen aufgeregt davon, wenn wir ihnen zu nahe kamen. Plötzlich hörten wir ein Knacken hinter einigen Büschen, welches offensichtlich von einem Elefanten-Bullen stammte. Thombo kehrte sogleich in die andere Richtung um und erklärte, dass es sicherer sei sich zu entfernen, da einzelne Elefanten oft unberechenbar seien. Wir sahen Flusspferde in einem tieferen Teil des Gewässers, welches die Insel umrundete und Letschwe-Antilopen, welche über die staub-trockenen Ebenen galoppierten. Es machte den Anschein, dass Thombo immer wieder eine andere Richtung einschlug und wir mussten einige stehende Gewässer durchwaten, bis wir wieder zurück ins Camp gelangten.

Auch die zweite Nacht war voller Tiergeräusche. Neben den bereits bekannten Hyänen und Flusspferdgeräuschen hörte ich Löwengebrüll. Was für ein mächtiges Tier! Ich hatte kurz vor unserem Camp Löwenspuren entdeckt als wir von unserem Ausflug zurückgekommen waren. Thombo meinte, es sei vermutlich eine Löwin aufgrund der Größe des Abdrucks. Es ist ein eigenartiges Gefühl draußen im Zelt zu schlafen mit nur einem bisschen Stoff zwischen der wilden Natur und einem selbst! Ich vertraute allerdings dem althergebrachten Wissen Thombo’s, welcher in dieser Wildnis aufgewachsen war. Und so konnte ich trotzdem ein paar Stunden schlafen.

Am letzten Tag des Mokoro-Ausflugs stieß Thombo das Boot gemütlich durch das Delta in Richtung Süden. An einer Stelle mussten wir aussteigen und einige Zeit warten bis eine Herde Elefanten sich entschied, den Durchgang für uns frei zu machen. Was für ein Gefühl der Ehrfurcht nur gerade zu Fuß oder mit dem Einbaum als kleiner Mensch gegenüber diesen Riesen. Wir machten es uns gemütlich und aßen unseren Lunch bis die Herde ihren Durst gelöscht hatte und den Durchgang frei gab. Wir erreichten Mokoro-Station, wo ich um vier Uhr vom Motorboot der Backpackers Lodge abgeholt wurde. Thombo nahm seine Fische, die er während der letzten zwei Nächte mit seinem Netz gefangen hatte, mit ins Dorf zum Verkauf. So bessert er sein Einkommen auf.

Gleich nach Ankunft in der Backpackers Lodge machte ich mich auf Vlou abzuholen, wobei ich gespannt war, wie er sich in der Hundemeute zurecht gefunden hatte. Als er mich am Eingang sah, begrüßte er mich freudig und rannte sogleich zurück zu seinen neu gewonnenen Hundefreunden. Scheinbar wollte er mir zeigen, dass er sehr glücklich war über den Kontakt mit anderen Hunden. Er trifft sonst auf den Campingplätzen nur sporadisch andere Hunde an. So hatte auch er ein paar spannende Tage.

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Author: Marcelle Simone Heller

I’m searching for natural beauty and wilderness, while I’m travelling relentlessly to find delightful places and encounters with wildlife. I try to capture the thrill of the moments in photography and words, hoping to inspire others with the love for animals and nature.

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