Neugierige Raubtiere (18. Folge)

Marcelle wanderte im Jahr 2012 nach Südafrika aus. Hier findest du ihre Erlebnisse wie sie die ersten Monate als alleine reisende Frau erlebte und wie sich dann alles ganz anders entwickelte.

Das türkisfarbene Wasser bewegte sich wellenförmig um unser Boot herum. Die Küste von Robberg Nature Reserve war nur wenige hundert Meter entfernt. Ich streifte mir die Flossen über die Füsse und justierte meine Taucherbrille und den Schnorchel. Ungelenk liess ich mich über die Bordkante ins kühle Nass gleiten. Brrrrr, gut dass ich einen Neoprenanzug an habe, dachte ich, während sich die anderen Teilnehmer bereits schwimmend vom Boot in Richtung Küste entfernten. Hé, das glaube ich ja nicht! Direkt vor mir tauchte ein Seehund auf. Offensichtlich waren nicht nur wir Menschen hier die Beobachter.

photo by travpacker.com
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Ungewandt fing ich an zu schnorcheln, während mein Körper wellenförmig mit der Strömung mitgetragen wurde. Mein Atem stockte als ein Seehund neugierig bis auf wenige Zentimeter heran schwamm und ich ihm direkt in das weit geöffnete Maul mit beeindruckendem Raubtiergebiss blickte. Der Reiseführer hatte uns gewarnt, dass die Seehunde mit uns spielen wollen würden. Aber auf eine solche Szene war ich nicht vorbereitet. Ich war glücklich, als das furchtlose Tier sich agil von mir entfernte, um angeregt mit seinen Artgenossen zu spielen. Wie junge Hunde! dachte ich angetan.

Mit Seehunden schwimmen
photo by www.offshoreadventure.co.za
Seehundekolonie
photo by www.offshoreadventure.co.za

Überwältigt von den Eindrücken betrachtete ich die Seehundekolonie an der schroffen Felsküste der geschützten Halbinsel, während sich die letzten Teilnehmer zurück ins Boot hievten. Gewandt drehte der Bootsführer das Schnellboot in kleinem Radius um die eigene Achse, womit er sich wie erhofft einige begeisterte Kreische der Mädchen unter den Passagieren erhaschte. Das Boot röhrte und sprang über die Wellen. Der kilometerlange Sandstrand schoss an der linken Seite an uns vorbei. Kurz vor der ehemaligen Walbeobachtungsstation, nun umfunktioniert in ein Luxushotel, reduzierte der Bootsführer das Tempo, um gekonnt mit einem letzten eleganten Schwung in den Hafen zu fahren. Die berührende Begegnung mit diesen einzigartigen Kreaturen liess mich noch Tage danach auf einer Glückswolke schweben.

Strand Plettenberg Bay

 

ausgewandert-nach-suedafrika-18

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Author: Marcelle Simone Heller

I’m searching for natural beauty and wilderness, while I’m travelling relentlessly to find delightful places and encounters with wildlife. I try to capture the thrill of the moments in photography and words, hoping to inspire others with the love for animals and nature.

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