Südliches Afrika – Grenzgängig ohne Papiere

Es stellte sich heraus, dass sich offiziell alle notwendigen Papiere für Vlou’s Grenzübertritte zu organisieren nicht unmöglich, aber sehr aufwändig ist. So entscheiden wir uns, unser Glück herauszufordern und ohne Gesundheitszeugnisse und Importbewilligungen über die Grenze zu fahren. Nach unseren Recherchen können wir entweder von Kasane mit der Fähre über den Zambezi River nach Sambia oder über Land nach Zimbabwe einreisen und die Victoria Fälle von dort aus ansehen. Obwohl es mehr Grenzübertritte bedeutet, entscheiden wir uns für die Reise nach Zimbabwe und anschliessend nach Sambia. Die Victoria Fälle sind von Zimbabwe aus von der gegenüberliegenden Seite viel eindrücklicher zu beobachten.

Um 8.30 Uhr morgens fahren wir an den Zoll in Zimbabwe. Es stehen bereits zahlreiche Menschen in einer langen Reihe, welche sich kaum zu bewegen scheint. Aus Erfahrung wissen wir, dass wir zuerst an der Reihe vorbeigehen und nach Formularen suchen müssen. Gesagt getan und so füllen wir ein Immigrationsformular und ein Importformular für unseren Wagen und den Wohnwagen aus. Nach dreistündigem Warten erreichen wir endlich den Schalter der Immigration, wobei Marcelle’s Pass um einen grossen Kleber und einen Stempel reicher und sie um einundneunzig Dollar für Visa und Importbewilligung ärmer wird. George braucht als Südafrikaner kein Visum. Zwei Schalter und zusätzliche Formalitäten weiter können wir endlich an die Zollschranke fahren. Der Beamte interessiert sich ausschliesslich für die Quittungen der bezahlten Taxen und so erreichen wir Zimbabwe, ohne dass irgendjemand sich für Vlou interessierte.

Die Strasse in Zimbabwe nach dem Grenzübergang ist gut und die Landschaft reicher bewachsen als auf der Seite von Botswana. Nach nur einer Stunde erreichen wir Victoria Falls, ein Dorf, hauptsächlich entlang einer Strasse, die zum gleichnamigen Wasserfall und der Grenze zu Sambia führt. Wir suchen nicht lang und biegen auf den stadteigenen Campingplatz ein. Wir haben es aufgegeben, immer im Voraus Campingplätze zu kontaktieren und um Genehmigung für Vlou nachzufragen. Da wir nicht immer unsere Emails abrufen können und die Lodges oft keine Antwort auf schriftliche Anfragen geben, wird dies zu mühsam. Ausserdem ist die Rezeption oft völlig unabhängig vom Campingplatz selbst und so weiss die eine Hand nicht was die andere tut. Vlou geniesst den Auslauf und den Besuch der Campingplatzgäste, insbesondere wenn er riecht, dass sie am Fleischbraten sind. So isst er mehrheitlich auswärts und verweigert sein eigenes Futter. Er ist trotzdem schlanker geworden, seit er mit uns auf Reisen ist, wodurch er jetzt für einen Beagle sehr sportlich erscheint und nicht mehr wie eine vierbeinige Wurst.

Am Abend gönnen wir uns ein Abendessen in einer spanischen Tapas Bar des touristischen Viertels in Victoria Falls. Ich geniesse die unerwartet feine Kost und die warmen Temperaturen. Die Besucher des Restaurants sind international. Ich höre französische, amerikanische, deutsche, englische, italienische und andere Stimmen.

Am nächsten Morgen nach einem Spaziergang mit Vlou wandern wir zum Eingang des Victoria Falls Nationalpark. Nach Bezahlen des saftigen Eingangspreises von dreissig US Dollar – internationale Gäste zahlen auch hier höhere Preise – wird uns Einlass gewährt. Sämtliche Preise in Zimbabwe sind in US Dollar angegeben und auch Wechselgeld wird in US Dollar bezahlt, da die eigene Währung täglich massiv an Wert verliert. Die Preise sind durchwegs sehr hoch, sogar für Nahrungsmittel. Wir fragen uns, wie die lokale Bevölkerung sich die einfachsten Grundbedürfnisse leisten kann.

Die Victoria Fälle sind atemberaubend. Je nach Jahreszeit führt der Wasserfall mehr oder weniger Wasser, sodass der Wasserfall bei grossem Wasserandrang durch die Gischt kaum sichtbar ist. Wir haben Glück: der Wasserfall ist sehr gut sichtbar. Wir ziehen uns einen Plastiksack über, um uns und die Photokamera zu schützen, was sich als sehr nützlich erweist. Die Gischt ist zum Teil so stark, dass an verschiedenen Stellen ein leichter Regenschauer auf einen niederfällt. Durch die ständige Feuchtigkeit umgibt ein dichter Regenwald die Victoria Fälle, was ein wunderschöner Kontrast zu der ansonsten trockenen Umgebung ergibt. Der Weg führt entlang der Schlucht über die ganze Breite des Wasserfälle und an verschiedenen Stellen kann man bis an den Rand gehen und hinabsehen. Gegenüber, auf der Seite des Wasserfalls, liegt Sambia. Am Ende des Weges erreichen wir eine Stelle, wo wir auf den weiterführenden Fluss Zambezi unterhalb des Wasserfalls hinabsehen können. Dort versuchen verschiedene Aktivurlauber ihr Glück im River Rafting und im Kanu. Auf dem Rückweg sehen wir auf der Sambia-Seite einen Touristenführer mit zwei Personen, die in einen Pool oberhalb des Wasserfalls hineinsteigen und baden. Beim Ein- und Aussteigen sind sie kaum zwei Meter vom Rand des Wasserfalls entfernt. Sie brauchen nur auszurutschen und sie fallen über die Kante des höchsten Wasserfalls der Welt und verschwinden für immer im Zambezi. Viele Touristen bleiben stehen, um zu sehen, ob die waghalsigen Touristen mit ihrem Führer unbeschadet ans Ufer zurückgelangen. Wir ersparen uns einen möglichen Anblick eines Unfalls von unbedachten Menschen und gehen weiter.

Auf dem Rückweg besuchen wir das Denkmal des Schotten David Livingstone, welcher die Wasserfälle als erster Weisser am 16. November 1855 entdeckt haben soll. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass er im vorletzten Jahrhundert zu Fuss durch Afrika reiste und den verschiedenen Gefahren von Krankheiten, Menschen und Wildtieren ausgesetzt war. Dies zu einer Zeit, wo weder Wege noch Infrastruktur vorhanden waren. Er hatte einen grossen Tross von Trägern für seine Reisegerätschaften dabei und sicher auch Köche und andere Diener, welche ebenfalls die Herausforderungen meisterten und dafür keine Anerkennung erhielten. Nichtsdestotrotz war es eine ausserordentliche Leistung, insbesondere für einen zivilisationsgewohnten Europäer, solch lange Zeit durch die unbarmherzig heisse mit Mücken und Tsetsefliegen durchsetzte Wildnis zu reisen. Solche Entdeckerseelen sind wir nicht, dass ich auf fast jeglichen Komfort verzichten wollte.

Zurück auf dem Campingplatz bereiten wir den Wohnwagen vor für eine frühe Abreise am nächsten Morgen über die Grenze nach Sambia. Wir wollen möglichst weit in Sambia auf der Great Eastern Road durch Lusaka in Richtung Malawi fahren, um bald wieder in eine etwas weniger staubige Gegend mit mehr Grün zu gelangen. Der See in Malawi sei mit seinen langen, menschenleeren Stränden wunderschön und die Campingplätze günstig und gut gelegen. Doch auch die Grenze von Zimbabwe nach Sambia ist chaotisch. Die Menschenreihe für Touristen ist zwar kürzer als diejenige für Einheimische, sodass die Wartezeit insgesamt etwas kürzer ist als an der Grenze zu Zimbabwe. Wir müssen jedoch Geld auf der anderen Seite der Grenze in Sambia in Sambia Kwacha wechseln, da die Carbon Tax und die Versicherung nur in dieser Währung beglichen werde kann. Visum und Taxen können wir in US Dollar begleichen. Die Versicherung können wir jedoch wiederum nicht am gleichen Schalter bezahlen, sondern erst am Übergang zu Sambia. Da wir nur rund drei Tage in Sambia verbringen zur Durchfahrt nach Malawi verbringen wollen. versuchen wir um die Importformalitäten respektive Gebühren herumzukommen. Dafür wird Marcelle an den Supervisor in ein Büro verwiesen, wobei sie durch einen Gang an mehreren unaufgeräumten, schäbigen Zimmern entlang gehen muss. Es sind bereits zwei Lastwagenfahrer im Büro des Supervisors, welcher an einem Tisch mit Stapeln von Papieren sitzt und ausgedehnt mit seinem Mobiltelefon telefoniert. Die Lastwagenfahrer sitzen gelangweilt da und einer von ihnen zeigt Marcelle, wo sie warten soll. Als der Supervisor auflegt, sagt einer der Lastwagenfahrer netterweise, er solle zuerst sie bedienen.

Als erstes fragt sie der Supervisor, ob sie eine Missionsschwester sei, da er der Meinung ist, dass sie alleine reist. Er kann sich eine alleine reisende Frau nicht vorstellen. Er ist neugierig und die Atmosphäre ist freundlich. Marcelle erhält die Genehmigung für fünf Tage Aufenthalt in Sambia ohne Importbewilligung und wir fahren an den nächsten Posten vor Grenzübertritt. Dort sitzt hinter Schachteln und Abfall ein Versicherungsvertreter an einem kleinen Tischchen, welches bei uns nicht einmal von einem Brockenhaus akzeptiert würde. Er füllt gewissenhaft ein Formular nach unseren Angaben aus und nach Bezahlung von 116 Sambia Kwacha erhalten wir die letzte Quittung für die Weiterfahrt an die Zollschranke. Auch hier will der Beamte ausschliesslich sämtliche Quittungen und unsere Pässe sehen und lässt uns durchfahren. Und – auch hier wartet wie in Zimbabwe nach rund drei Kilometern eine Polizeischranke auf uns, um die Dokumente nochmals zu prüfen. Vlou ist jedoch auch hier kein Hindernis für den Grenzübertritt.

Die Strassen in Sambia sind vorerst in Ordnung und so kommen wir nach Durchfahrt der Hauptstadt Livingstone gut voran. Wir erreichen abends einen sehr einfachen Campingplatz am Kafue River mit Bar und lauter Musik ohne Strom und mit sehr unsauberen und undichten Toiletten. Die Anlage liegt kurz vor Lusaka direkt neben der stark mit Lastwagen befahrenen Hauptstrasse. Es hat nur sehr wenige Campingmöglichkeiten in Sambia, zudem wollen wir auf Afrikas Strassen nicht in der Dunkelheit fahren. So entscheiden wir uns für eine Nacht auf dem schäbigen Campingplatz. Der Angestellte will zuerst zwanzig Dollar pro Nacht, was völlig überrissen ist. Nach Verhandlung einigen wir uns auf die Hälfte. Am nächsten Morgen sollte sich erweisen, dass wir richtig entschieden hatten, hier zu bleiben. Denn nur wenige Kilometer nach der Lodge in Richtung Lusaka ist eine riesige Baustelle, welche die Durchfahrt zu einer Geduldsprobe werden lässt.

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Author: Marcelle Simone Heller

I’m searching for natural beauty and wilderness, while I’m travelling relentlessly to find delightful places and encounters with wildlife. I try to capture the thrill of the moments in photography and words, hoping to inspire others with the love for animals and nature.

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